Hilfe - NARKOLEPSIE

Es scheint in Mode gekommen zu sein, narkoleptische Pferde zu haben. Mir scheint, sie sind überall! Ein Pferd mit der Schlafkrankheit Narkolepsie schläft überall ein und das tiefer, als mit Stehen vereinbar ist - Ergebnis: es bricht zusammen und fällt hin. Das ist mit erheblichen Verletzungen verbunden: zum Beispiel aufgeschlagene Fesselgelenke, Karpalgelenke, aber auch gebrochener Hüfthöcker, aufgeplatzte Lippen und abgesplitterte Zähne. Aber auch für den Menschen besteht im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit mehr oder weniger große Gefahr: Das Pferd kann beim Reiten einschlafen und stürzen oder auf dem Putzplatz umfallen und den Menschen unter sich begraben. 

 

Das waren die schlechten Nachrichten. Aber es gibt auch gute Nachrichten! - In den ALLERMEISTEN Fällen haben die Pferde gar nicht die Krankheit, sondern leiden einfach unter SCHLAFMANGEL! Das passiert besonders nervösen Pferden, wenn sie sich nicht sicher genug fühlen, um im Liegen lange genug zu schlafen. Nach einigen Tagen sind sie dann so müde, dass sie im Stehen in einen sehr tiefen Schlaf fallen. Sie schwanken, lassen sich aber aufwecken, wenn man sie dabei beobachtet. Sie wachen anfänglich von selber auf, bevor sie umfallen. Dauert dieser Zustand länger an, fallen sie um und verletzen sich, weil sich der Schlafmangel summiert. Dieses Schwanken passiert aber in Ruhe, während ein Pferd mit Narkolepsie immer müde ist und überall einschlafen und zusammenbrechen kann. 

 

Das alles habe ich bisher nur bei Pferden im Offenstall beobachtet. Laut der unten verlinkten Studie gibt es fast gleich viele Pferde in Boxenhaltung, die narkoleptische Symptome zeigen. Und es gibt Pferde, bei denen Narkolepsie nachgewiesen wurde, die gut im Offenstall leben. Drei Offenstallpferde habe ich allerdings von "Narkolepsie" genesen sehen, als sie vom Offenstall nachts in die Box gekommen sind. In einem Fall war es zusätzlich nötig, das persönliche Sicherheitsempfinden durch Wechsel des Freundes zu erhöhen.

 

Man muss herausfinden, wieso das Pferd umfällt und sich nicht von einer Diagnose auf Verdacht erschrecken lassen. Manchmal treten die Beschwerden erst nach einer Umstellung auf. Ändert man diesen Umstand wieder, verschwinden sie wie sie gekommen sind. Mit etwas Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen lässt sich das herauszufinden!

 

Es ist nicht nötig, sofort von einer unheilbaren Erkrankung auszugehen, sobald man sein Pferd schwanken oder ein Pferd mit Narben an den Fesselgelenken sieht! Es ist VIEL wahrscheinlicher, dass es einfach nur ein bisschen mehr Privatsphäre in ruhiger, sicherer Umgebung benötigt! Wer es genau wissen möchte, kann sein Pferd vom Tierarzt durchchecken lassen. Vorher möchte ich sehr empfehlen, sich durchzulesen, was Lena Charlotte Kiefner (Link unten) herausgefunden hat! 

 

Zum Weiterlesen:

Anfang 2016 wurde diese Studie zum Thema verfasst. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die echte Nervenkrankheit wesentlich seltener der Grund für die Narkolepsie-ähnlichen Symptome ist, als viel häufiger aus irgend einem (auch medizinischen Grund) die REM-Phase gestört ist: 

 

Untersuchungen zu Schlafstörungen beim Pferd:

Narkolepsie versus REM Schlafmangel

von Lena Charlotte Kiefner

 

 

Mögliche Ursachen für die Pseudoversion

  • Pferd fühlt sich nicht sicher genug
  • Stall ist nicht ruhig genug
  • Im Offenstall kann ständig jemand oder etwas hereinkommen
  • Soziale Position innerhalb der Gruppe sehr hoch (Verantwortung) oder sehr niedrig (kann jederzeit vertrieben werden)
  • Herde ist ohne starken Anführer
  • Ältere Pferde können unter Umständen nicht schnell genug aufstehen und legen sich deshalb ungern hin
  • Liegeplatz ist unbequem und wird deshalb nicht gerne aufgesucht
  • Rutschiger Boden macht Aufstehen und Niederlegen gefährlich
  • Schmerzen, Erkrankungen
  • Mischung mehrerer Ursachen

Charaktere mit erhöhtem Risiko

  • Nervöse, nicht besonders selbstsichere Pferde
  • Pferde die ihren Rang erkämpft, nicht verliehen bekommen haben
  • Pferde, die um ihren Rang fürchten
  • Rangniedrige Pferde, die von einem aggressiven Herdenmitglied gefordert sind
  • Dauerhaft überforderte Pferde
  • Ältere Pferde, die nicht mehr ganz fit sind

Was man dagegen tun kann

  • URSACHENFORSCHUNG
  • Nachts Box; andere Box; Paddocktüren nachts schließen
  • Bodenbeschaffenheit ändern, Einstreuen (Matten oder blanker Boden werden weniger gut angenommen)
  • Herdenzusammenstellung ändern
  • Areal absichern (einfrieden, vor Wind und äußeren Einflüssen schützen, Sichtschutz, etc...)