Reiten mit Verbindung

Welcher Reiter träumt nicht davon, mit seinem Pferd zu einer kentaurischen Einheit zu verschmelzen? Alle Bewegungen sind in harmonischer Übereinstimmung, Gedanken und Ziele werden eins. ... Nur wie dahin kommen?! 

Zu diesem Thema kann ein Workshop bei Dir im Stall stattfinden!


Verbindung erarbeiten

Gute Nachrichten - diese wunderbare Verbindung lässt sich Schritt für Schritt erarbeitet! 

 

Hier kommen die Hintergründe, die Anleitung zur Bodenübung findet sich HIER. Bei Fragen stehe ich gerne per Mail oder via Facebook zur Verfügung und komme auf Wunsch zu einem persönlichen Termin oder für einen Workshop.


1. Schritt: Bodenarbeit

Bei der Bodenarbeit ist eine einzige Übung wichtig: Stehenbleiben, Angehen, Gehen, Stehenbleiben. Und das möglichst mit passiver Zügelhand oder Gerte. Zuerst sollte man sich die Übung zueigen machen, um die Grundfehler nicht mehr zu machen. Dann wird man die Verbindung wahrscheinlich als erstes beim STEHENBLEIBEN finden, beim Gehen hingegen wieder verlieren. Als nächstes findet man sie beim ANGEHEN ebenfalls und kann sie beim GEHEN so lange aufrecht erhalten, bis man von Gehen wieder zu Stehenbleiben übergeht. So einfach! Hat man die Verbindung, so verzögert oder beschleunigt das Pferd im gleichen Augenblick, wie man selber! 

 

Die Verbindung fühlt man in seinem INNEREN. Manche mehr beim Herzen, manche mehr beim Bauch. Beide Zentren (Herz/Darm) haben eigene, selbständig agierende Nervensysteme. Man spricht deshalb auch vom "Herzfeld" und vom "Bauchhirn". Wenn man also das Wahrnehmen dem Körper übergibt, kann sich die Körperspannung besser den Anforderungen anpassen und der eigene Körper kommuniziert direkt mit dem Körper des Pferdes. 

 

Pferde sind sehr gut darin untereinander ebenfalls über ihre Körperzentren zu kommunizieren. Und unserem Körper und unserer Psyche tut es extrem gut, uns auf diese Weise auf unsere Pferde einzulassen! Am Anfang bedarf es wahrscheinlich einer Menge Konzentration, um den Fokus halten zu können. Später ist es einfach nur entspannend, mit dem Bewusstsein in den Körper zu gehen und eben nicht mehr im Kopf zu sein. Erlebt man dies vom Sattel aus, stellt sich höchstwahrscheinlich ganz von selber ein natürliches Lächeln ein! 

2. Reiten von Übergängen

Genau wie bei der Bodenarbeit sind die Übergänge der erste Prüfstein, der uns bewusst macht, ob wir eine Verbindung haben oder nicht. Wenn ein Übergang in eine niedrigere Gangart (oder Tempo) gelingt, weil man wie im Lehrbuch seinen Körper gebraucht hat und das Pferd sanft gegen die aushaltende Hand gehen lässt, dann schaut die Sache schonmal gut aus! Wenn das Pferd schneller wird, weil man "schneller" gedacht hat und seinen Körper diesen Gedanken widerspiegeln lassen kann, dann ist da die Verbindung!

 

     
 

Ist man in der Verbindung, dann nimmt der EIGENE KÖRPER

DIE SPANNUNG auf,

die DAS PFERD HABEN soll.

 
     

 

Das ist wichtig, denn ohne dieses Gleichschalten gibt es keine Verbindung! Wie also baut man die Verbindung im Sattel auf? - Als erstes holt man sich die ERINNERUNG zurück, wie die Bewegungsfolge und das Gefühl bei der Bodenarbeit waren. Die Übung bleibt die gleiche: Stehenbleiben, Angehen, Bewusst Gehen, Stehenbleiben. Beim Reiten wird man wahrscheinlich zuerst die Verbindung beim Stehenbleiben finden, dann beim Gehen und zuletzt beim Angehen. Als nächstes kommen Schritt-Trab-Schritt Übergänge, dann Tempounterschiede innerhalb einer Gangart. Wenn man sich etwas mehr aufrichtet und das Pferd hört auf zu rennen und nimmt sich mehr auf: Herzlichen Glückwunsch, das ist es!  

 


Verstärkung und Versammlung

Eine gut gerittene VERSTÄRKUNG kommt aus der Versammlung. Weniger geübte Reiter treiben ihr Pferd im eiligen Tempo über die Diagonale und irgendwann wird es sich fliegen lassen. ... Oder nicht. Es ist schwierig, am Ende der Diagonale das Pferd wieder einzufangen, weil es gerannt ist, anstatt zu verstärken. Weil zu verstärken eben nicht rennen ist, der TAKT wird LANGSAMER, weil die Tritte länger werden! Dem geht eine gewisse Grundfähigkeit zur VERSAMMLUNG voraus.

 

Versammlung bedeutet unter anderem, dass das Pferd flinke, KURZE Schritte/Tritte/Sprünge macht. Wer da einfach nur das Tempo reduziert, läuft Gefahr, ein Pferd zu bekommen, das energielos schleicht. Wer gegen diese Tendenz treiben möchte - was ja Sinn macht - kann mitunter mit der Hand ordentlich was zurück zu halten haben: Das Pferd versteht nicht, was es soll. Langsam oder schnell - Reiter, entscheide Dich!

 

Die Lösung liegt technisch betrachtet im Reiten beziehungsweise Parieren über den Sitz, vom Gefühl her für mich aber wieder in der Verbindung. Denn die Verbindung leitet uns auf natürliche Art an, was mit dem Sitz zu tun ist. Ist das Pferd am Sitz, kann es FLINK gehalten werden, ohne dabei zu viel Raumgewinn zulassen zu müssen!

 

Der Trick hierbei ist folgender: Das Pferd versteht, dass es sich zum Durchparieren aufnehmen muss. Wenn man es also durch den Körper im Glauben lässt, man würde durchparieren, dann aber doch weiter reitet, muss man nur noch im richtigen Moment loben und das Pferd hat verstanden!   

Fühlt man die Verbindung weiterhin in seinem Bauch oder in der Herzregion, bleibt man mit dem Bewusstsein in seinem Körper, dann bekommt man einerseits viel mehr Rückmeldung vom Pferd und verhindert erfolgreich andererseits, dass der KOPF mit irgend etwas Störendem dazwischen funkt! 

Dem Alltag entfliehen

Ich werde immer wieder gefragt, wie es möglich ist, dass ich mit offensichtlichem Alltagsstress auf das Pferd steige und das alles binnen Sekunden weggewischt ist. GENAU SO ist es möglich! Raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Und das Gute daran - JEDER kann das lernen!

Die Sinne erwecken

Man findet nicht leicht Dinge, von denen man gar nicht weiß, dass sie existieren. Oft beobachte ich Reiter, die ziemlich gefühllos ihre Pferde antreiben und nicht wissen, dass Pferde zu viel mehr Kommunikation und Feedback fähig sind. Dass sie selber dazu in der Lage sind, sich viel umfassender mitzuteilen, dass es so viel MEHR zu erfahren gibt?! Wo wären diese Reiter, wenn sie das Feedback ihrer Pferde verstehen könnten ... und was würde das für ihr restliches Leben bedeuten? 

 

In diesem Zusammenhang fällt mir eine Textpassage aus Linda Kohanovs Buch "Botschafter zwischen den Welten" ein. Sie berichtet von einem amerikanischen Offizier im Ruhestand, der nun Zivilisten in der lange vom Militär erforschten, kultivierten und praktizierten Disziplin der FERNWAHRNEHMUNG (!) unterrichtet. "Diesen Menschen ist jetzt klar, dass sie jahrelang meist schlafend durchs Leben gegangen und jetzt aufgewacht sind. ... Sie gehen an ihre Arbeit mit einem neuen und kompletteren Verständnis heran und leisten mit Leichtigkeit dort Hervorragendes, wo sie vorher höchstens mittelmäßig waren.