Bahnfiguren 1 - Touren und Volten

Wer sein Pferd gymnastizieren möchte, kommt nicht drum rum, gleichmäßige Linien, das heißt korrekt ausgeführte Bahnfiguren zu reiten. Auch wenn das Pferd oft eigene Ideen hat, was die Wegrichtung anlangt, ist das Mittel der Wahl korrektes Ausreiten der Linien. Viele Reiter haben aber noch nicht die Vorstellung, wo und wie sie die ihre Bahnfiguren anlegen sollen. Darum möchte ich heute von Volten und Touren sprechen. 

 

Ich gehe in den Zeichnungen von einer Reitbahn- oder Reithallengröße von 20x40 Metern aus. Markiert sind die 8 Bahnpunkte (Merksatz: All King Edwards Horses Can Manage Big Fences) und die 4 Tourenpunkte. Außerdem habe ich die Bahn in Raster von je 5m Abstand eingeteilt. Das ist hilfreich, um sich im Raum orientieren zu können. Darüber hinaus ist es gut möglich, dass Eure Reithallen im Abstand von 5m mit Stehern versehen sind. Sie stellen wunderbare Anhaltspunkte dar! In der Grafik rechts sind in Blau die Mittellinie und die Halbe Bahn Linie dargestellt. Ebenfalls wichtig in rosa dargestellt: die Viertellinien. Sie markieren die Grenzen für 10m Volten bei A und C oder auf der Mittellinie - aber davon unten genauer! In der spanischen Hofreitschule befinden sich an den Enden der Viertellinie die Bahnspiegel, was in unseren Reitbahnen ebenfalls ein guter Platz dafür wäre, weil es Sinn macht, sie zu reiten! 

Die Große Tour

Eine große Tour ist ein Kreis, der an zwei oder drei Punkten den Hufschlag berührt, aber gleich wieder davon weg führt. Am Besten reitet man eine Tour in 4 Einzelschritten, zum Beispiel: Von A zum Tourenpunkt in einem gleichmäßigen Kreisbogen; zu X, zum Tourenpunkt, zu A - immer im gleichmäßigen Kreisbogen. Viertelkreise kann man ungleich leichter reiten, als ganze Kreise!

 

 

Die 10m Volte

10 m Volten reichen von der langen Seite der Reitbahn bis zur Mittellinie. Bei A oder  C angelegt, berühren sie die Viertellinie und den Mittelpunkt der großen Tour. Bei E oder B berühren sie X. 

 

Am Scheitelpunkt der Volte ist man genau gegenüber und parallel zum Ausgangspunkt. Findet man sich an einer anderen Stelle, ist der Kreis nicht rund und man hat das Pferd über die Schulter nach außen laufen oder in den Kreis hineinfallen lassen.

Lohnende Linien

Bei meiner Reiternadel Prüfung wurde ich im Theorieteil gefragt, wie ich eine 10m Volte bei E anlegen würde. Wenn man sich vorstellen kann, dass es ein Kreis in einem Rechteck ist, der nur bei E den Hufschlag berührt, dann gibt es nur eine einzige Möglichkeit der Ausführung. Einmal wirklich durchgedacht, kann man in viele seiner Linien korrekte 10m Volten einbauen:

Das ist eine relativ nette Kombination aus Volte und Geradeaus. Man macht beim Tourenpunkt vor der Kurzen Seite eine halbe Volte auf die Mittellinie, geht bis zum nächsten Tourenmittelpunkt und macht dort eine halbe Volte zur anderen Seite. 

Auch interessant: Viertellinie mit halben Volten. Ob man sie bis zum Hufschlag führen lässt oder vorher abwendet, weil sich da der korrekte Punkt (auf der Linie zwischen den Tourenpunkten) leichter bestimmen lässt, bleibt jedem selbst überlassen (zu diesem Thema mehr in Bahnfiguren 2 - Schlangenlinien und Schlangentouren)

Kombinationen

Hat man einmal den Dreh heraußen,  dann kann es richtig Spaß machen, Volten und Touren kreativ zu kombinieren! Durch die unterschiedlich starke Biegung, eventuell mit Handwechseln, bleiben die Pferde wach und werden schön geschmeidig. 

 

Man könnte zum Beispiel von der Mitteltour auf der linken Hand startend, auf der Mittellinie eine halbe Volte zu C machen, dann eine halbe große Tour gehen, bei X eine halbe Volte nach links und weiter auf der Mitteltour linker Hand. 

 

Was man reitet, kann man den Bedürfnissen des Pferdes und äußeren Umständen (andere Reiter) spontan anpassen. Eine wunderbare Übung! 

 

Achten

Achten kann man sehr gut im Vorwärts, aber auch im Seitwärts reiten. Wenn möglich würde ich sie der Übersichtlichkeit halber auf der Mittellinie ansiedeln. Das bedeutet, die beiden Scheitelpunkte der jeweiligen Volte liegen auf der Mittellinie. Oder anders ausgedrückt: beim Überreiten der Mittellinie ist man parallel zu den kurzen Seiten.